Einstweilen einige Reisende nach Orten voller Sonne und Entspannung suchen, entdecken andere jene Orte auf, wo die Ruhe und die Schatten der Vergangenheit mehr als tausend Worte sagen. Der Katastrophentourismus – ein Phänomen der letzten Jahre – führt uns an Orte voller Tragödien, Tod und Leid. Das klingt düster, in Wirklichkeit handelt es sich um eine Form des Reisens, die zum Nachdenken anregt und voller Respekt und Erkundungen steckt.
So wie Tomáš Galierik, Autor des Buches Orte der Verbrechen und Tragödien sagt, stellt der Katastrophentourismus “Reisen zu Orten oder die Suche nach Orten dar, die mit tragischen Ereignissen, Tod oder Katastrophen verbunden werden dar. Der Besucher dieses Typs von Orten nimmt wahrscheinlich überhaupt nicht wahr, dass er Teil eines solchen Tourismus ist. Er besucht diese Orte aus Pietätsgründen. Er ist ein Überlebender oder auf eine andere Art mit dem Ort verbunden. Es kann sich jedoch auch um einen Fan der Historie, Geschichte oder von interessanten Begebenheiten handeln, der sich meistens zur Gänze darüber bewusst ist, welchen Ort er besucht hat.”
In der Region Košice finden wir mehrere Lokalitäten, die naturgemäß ihre dunkle Seiten haben. Jede hat eine andere Geschichte und erweckt unterschiedliche Emotionen – alle haben jedoch eines gemeinsam, sie betreffen die tieferen Schichten unserer Geschichte. Im ersten Teil über den Katastrophentourismus stellen wir Ihnen Lokalitäten aus dem Altertum und dem Mittelalter vor.

Orte längst vergangener Opfer – Schluchten und Gruben
Die Höhle Babská diera
In der Geschichte gibt es auch Orte, wo längst vergangene Rituale abgehalten wurden, die mit Menschenopfern verbunden sind. Im Slowakischen Karst befindet sich die Höhle Babská diera, eine 46 Meter tiefe Höhlenschlucht, die der kyjatischen Kultur in der jüngeren Bronzezeit als Kultstätte gedient hat. Archäologen haben hier menschliche Überreste, Keramik und auch eine Maske aus einem menschlichen Schädel, die wahrscheinlich bei rituellen Zeremonien verwendet wurde, freigelegt.
Opfergrube in Nižná Myšla
Ein weiterer einzigartiger Ort ist die Opfergrube in Nižná Myšla. Auf dem Gelände des archäologischen Freilichtmuseums, welches das Leben in der Bronzezeit zeigt, haben Archäologen eine Grube mit menschlichen Überresten entdeckt, die von der Existenz altertümlicher religiöser Rituale zeugen. Diese Orte bieten einen faszinierenden, aber schaurigen Blick auf die geistige Welt unserer Vorfahren.


Hinrichtungsstätten: Orte voller Schmerz und letzter Augenblicke
Henkerbastei und Gefängnis von Mikluš
Im historischen Zentrum von Košíce befinden sich die Henkerbastei und das Gefängnis von Mikluš. Dies sind Orte, an denen in der Vergangenheit Urteil und Strafen vollzogen wurden. Das Gefängnis von Mikluš war vom 17. Jahrhundert bis in das Jahr 1911 in Betrieb. Es stand als Warnung im eigentlichen Herzen der historischen Stadt und zeigt heute, neben der authentischen Gefängnisatmosphäre mit Folterkammer und Henker, auch Exponaten, die mit der Geschichte der Stadt, dem Handel und den Handwerken verbunden sind. Die Henkerbastei ist ein Symbol für die mittelalterlichen Hinrichtungen. In dieser Ausstellung können die Besucher originale Hinrichtungsschwerter der Scharfrichter von Košice betrachten und sich mit der Geschichte dieses Ortes vertraut machen. Eine Computervisualisierung zeigt die damaligen Lebensbedingungen der Scharfrichter von Košice.


Der geheimnisumwobene Galgen bei der Zipser Burg
Auf dem Weg auf die Zipser Burg befindet sich ein historischer Galgen, der an die Zeit erinnert, in der in der Umgebung der Burg öffentliche Hinrichtungen stattfanden. Der Ort selbst, von dem viele nichts wissen, atmet eine besondere Atmosphäre. Erwähnungen über die einzelnen Hinrichtungen würden Sie jedoch vergeblich suchen. Wie wenn die Erde die grausamen Taten verschlungen hätte. Das Geheimnis des Leides bewahrt die umliegende Natur auf, die diese dunklen Geschichten der letzten Momente niemals preisgeben wird.
Im Buch finden Sie auch weitere Hinrichtungsstätten, von denen es keine Überreste mehr gibt. Zum Beispiel in den Gemeinden Iliašovce, Dobšiná, Pribeník oder in der Gemeinde Kazimír.

Die Legende der tragischen Liebe vom Zuckerhut
Dominante der Talenge Zádielska ist die Felsformation Zuckerhut, die 105 Meter hoch ist und von den hiesigen Bewohnern bis vor kurzem noch Topfenturm genannt wurde. Mit diesem sind mehrere Gerüchte verbunden. Eines spricht von einem Federgras, das einst nur auf dem Zuckerhut wuchs.
Nur mutige Burschen hatten mit diesem Federgras geschmückte Hüte. Die Legende spricht von einem Mädchen mit dem Namen Klára Józsová, dem schönsten im Dorf, die dem gehören sollte, der vom Zuckerhut das Federgras herunter bringt. Jožo Túri, der schönste Bursche aus dem Dorf, wollte jedoch nicht auf den Zuckerhut steigen. Klára tat diese Forderung sehr leid und weil sie sehr ineinander verliebt waren, entschied sie sich, selber auf den Felsen zu steigen. Jožo folgte ihr, der Legende nach schwanden seine Kräfte. Als sie ihm helfen wollte, stürzten beide ab und sind angeblich unter dem Felsen begraben. Seit dieser Zeit „weint“ der Zuckerhut und die Hüte der Burschen schmücken keine Feldgräser mehr.

Im Buch von Tomáš Galierik Orte der Verbrechen und Tragödien finden Sie nicht nur viele interessante Lokalitäten des Katastrophentourismus, sondern auch Legenden und Geschichten wie zum Beispiel über den Vampir aus Fekišoviec oder die Hexen aus Košíce.
Quelle: Sammlung Szádelői regék (Legenden aus Zádielska), die Gusztáv Stibrányi zusammengestellt hat, Tomáš Galierik – Orte der Verbrechen und Tragödien.


















